Stadtgeschichte von Hannover

Rathaus Hannover Die Besiedelung des Gebiets der heutigen Altstadt beginnt 950. Es entstehen verschiedene kleine Siedlungen, die bis 1150 zu einem großen zusammenwachsen. Die Ansiedlungen sind extra auf einer hochgelegenen und damit hochwasserfreien Terrasse der Leine (Honovere= das hohe Ufer) gelegen. Die Grafen von Rode boten der Ansiedlung Schutz und zunächst wurde Hannover eine Marktsiedlung und später eine Stadt. Die Stadt wurde dann an die Welfen verkauft, der Herzog Otto das Kind zu Braunschweig und Lüneburg bestätigt 1241 Hannovers Stadtrechte. 1301 werden alle Bürger in einem Pergamentbuch eingetragen, zudem wird die geltende Rechtssprechung fixiert. Die Stadt erwirbt von Herzog Otto der Ältere die Münze und den Wechsel. Die Folge ist, dass die Stadt nun tonnenweise Bier verkaufen darf.

Die Stadt erhält im Laufe des 14. Jahrhunderts eine wehrhafte Stadtbefestigung, bestehend aus einer Stadtmauer und drei Toren (Leintor, Aegidientor, Steintor). Die Stadt hat auch drei gotische Kirchen, die in ähnlicher Zeit entstanden, die Marktkirche (1349), die Kreuzkirche (1333) und die Aegidienkirche (1347). 1371 bekommt die Stat das uneingeschränkte Eigentumsrecht am Stadtwald Eilenriede, dem auch heute noch größten Stadtwald Europas. Die Bürger erhalten außerdem von den Herzögen Wenzel und Albrecht von Sachsen-Wittenberg die herzogliche Burg Lauenrode, die sie allerdings komplett zerstören. Die Stadt baut ihre Landwehr weiter aus, es entstehen drei weitere Türme. Die Macht der Ladesherren sinkt 1392 zugunsten der Stände, Prälaten und der Ritterschaft. Ab 1426 ist Hannover Teil eines Städtebundes, bestehend aus 15 Städten zwischen der Elbe und der Weser. Dieser sichert sich gegenseitigen Schutz des Handels und bei Feindangriffen zu. Das Kleeblatt, Teil des Stadtwappens taucht 1438 zum ersten Mal auf Geldstücken auf, nachdem die Stadt das alleinige Münzrecht erworben hat. Die Sage von "Hannovers Spartanern" erzählt die Geschichte der Rettung der Stadt, nachdem 1490 Herzog Heinrich der Ältere die Stadt überfällt.

Wie in vielen anderen Teilen Deutschlands auch wird die Bevölkerung Hannovers durch die Reformation 1533 evangelisch. Der später, auf Grund eines Religionsstreit, ausbrechende 30 jährige Krieg lässt die Stadt 1625 in dänische Hand fallen. Zusätzlich zu den dänischen Truppen wird die Stadt von der Pest heimgesucht. Die Seuche rafft rund ein Drittel aller Einwohner hinweg.

Der Welfenherzog Georg von Calenberg verlegt 1636, auf Grund des tobenden Krieges, seine Residenz nach Hannover. Als seine neue Residenz dient das umgebaute alte Minoritenkloster. Durch die Verlegung des Hofes ziehen viele Beamten und andere Gefolgsleute des Herzogs nach Hannover. Für sie wurde eigens die Neustadt, auf der anderen Seite des Flusses gebaut. Der neue Stadtteil ist durch schwarz-weiße Fachwerkhäuser geprägt und erhielt den Namen Calenberger Neustadt. Der Herzog wird, nachdem er in der Calenberger Neustadt eine katholische Kirche, die Clemskirche, erbauen ließ, Kurfürst. Später wird derselbe Mann als King Georg in die Geschichte eingehen, denn 1714 besteigt er den englischen Thron (und damit beginnt die Zeit der Personalunion zwischen dem Haus Hannover und dem englischen Thron). Der Ballhof, heute als Niedersächsisches Staatstheater genutzt, wird 1649 von Herzog Georg Wilhelm erbaut. In der Sommerresidenz der Herzöge wird 1666 der Große Garten angelegt. Im selben Jahr beginnt der Herzog Johann Friedrich mit dem Bau der neuen Hof und Staatskirche Sankt Johannis. (Fertigstellung 1670) Nachdem der Großkaufmann Johann Duve 1666 die städtische Münze gepachtet hatte, wird sie 1676 aufgehoben.

Der berühmte Gottfried Leibnitz wird 1676 von Herzog Johann Friedrich zum Hofrat ernantt. Zudem leitet er die städtische Bibliothek. 1696 zieht er in das Leibnizhaus und wirkt bis zu seinem Tod, 1716, in seiner Geburtsstadt Hannover. 1699 zwingt die Regierung den Stadtrat eine neue Verfassung anzunehmen. Der bekannte Reichsgelehrte Christian Ulrich Grupen wird 1725 Bürgermeister und bleibt bis zu seinem Tod 1767 im Amt. In seiner Amtszeit erscheint zum ersten Mal eine Zeitung in Hannover (1732 "Wöchentliche hannoversche Intelligenz-Zettul"). 1746 wird die Stadt um die Aegidien-Neustadt erweitert. Im Zuge des siebenjährigen Krieges wird die Stadt 1757 von französischen Truppen besetzt. Nachdem man eingesehen hat, dass die Verteidigungsanlagen der Stadt gegen die moderne Kriegsführung wirkungslos sind, reißt man 1780 die Stadtmauern ab. Seit 1778 gibt es die "Königliche Roß-Arzeney-Schule", somit ist sie die älteste tierärztliche Einrichtung in Deutschland (Seit 1887 führt sie den Namen "Tierärztliche Hochschule"). Die Grundlage des berühmten Benimmbuchs "der Knigge" erscheint 1788 mit dem Titel "Über den Umgang mit Menschen". Seit 1798 gibt es jedes Jahr ein Adressbuch über die Einwohner der Stadt. Im Zuge der napoleonischen Kriege wird Hannover 1803 von den Franzosen besetzt. 1814 wird das Kurfürstentum zum Königreich erhoben. Als die Franzosen 1815 besiegt werden, wird Hannover wieder frei, bleibt aber ein Königreich.

Mit dem Bürgervorsteher-Kollegium erhält Hannover 1821 ein Stadtparlament, nun sind erstmals Verwaltung und Justiz getrennt. Zwei Jahre wird der Vorläufer der heutigen Sparkasse gegründet, nämlich die "Spar- und Leih-Casse". Die Alt- und Neustadt werden, durch eine Verfassungsurkunde, 1824 zu einer gemeinsamen Stadt. Zudem erhält Hannover, als erste Stadt auf dem europäischen Festland eine Gasbetriebene Straßenbeleuchtung. Mit der höheren Gewerbeschule entsteht 1831 der Vorläufer der heutigen Universität. Es gewinnen also Bildung und Kunst einen immer größeren Stellenwert im Königreich. Weswegen ein Jahr später der "Kunstverein für das Königreich Hannover" gegründet wird. Für die bessere medizinische Versorgung der Bürger wird 1833 das städtische Krankenhaus in Linden eröffnet.

Opernhaus Hannover 1837 endet die Personalunion mit Großbritannien, ab jetzt sitzen zwei verschiedene Herrscher auf dem Thron. Der neue Herrscher Hannovers, König Ernst August, lässt das Staatsgrundgesetzt von 1833 aufheben. Infolge der stürmischen Proteste gegen die Aufhebung wird der Stadtdirektor Rumann ins Gefängnis gesteckt. Das Zeitalter der Eisenbahn bringt Hannover Einfluss und Ansehen. So entstand zum Beispiel der erste Durchgangsbahnhof in Deutschland 1843 in Hannover. Die erste Bahnstrecke verbindet Hannover mit Lehrte. Ein komplett neuer Stadtteil (Ernst-August Stadt) entsteht nach den Plänen des Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves.

1848 das Jahr der Revolutionen in Deutschland bringt auch Hannover laufend Unruhen und führt einen Regierungswechsel herbei. Nach siebenjähriger Bauzeit wird das Hoftheater, heute als Opernhaus in Benutzung, 1852 eröffnet. 1859 erreicht die Stadt die 55 000 Einwohnermarke, der Bevölkerungszuwachs ist vor allem auf Eingemeindungen zurück zu führen. Der Zoo der Stadt wird 1865 am Rande der Eilenriede eröffnet. 1866 passiert ein großer Einschnitt in die Geschichte Hannovers. Das Königreich wird von Preußen annektiert und die ehemalige Residenzstadt wird Provinzhauptstadt. Ab 1873 ist Hannover "Großstadt" mit mehr als 100.000 Einwohnern. Und wie es sich für eine Großstadt gehört bekommt Hannover 1878 einen Fußballverein und 1880 eine Berufsfeuerwehr und 1893 eine elektrische Straßenbahn. Nach zahlreichen Eingemeindungen zählt die Stadt 1910 300.000 Einwohner. Ab 1916 können Schiffe direkt vom Rhein nach Hannover fahren, der Mittellandkanal macht es möglich. 1920 kommt es zur Städtevereinung von Linden und Hannover. Hannover hat nun 400.000 Einwohner.

Ab 1933 herrschen die Nationalsozialisten auch in Hannover. In der Zeit des dritten Reiches arbeiten rund 60.000 Fremd- und Zwangsarbeiter in Hannover, zudem wird die Stadt 88 von den Alliierten bombardiert. 1945 wird die Stadt von den Amerikanern besetzt. Ein Jahr später wird Hannover die Landeshauptstadt des neu gebildeten Landes "Niedersachsen". Ab 1947 gibt es wieder Exportmessen in Hannover, diese Tatsache ist der Hauptgrund für den schnellen Wiederaufbau der Stadt. So wird z.B. das zerstörte Opernhaus 1950 wiedereröffnet.
Der Flughafen wird relativ zügig wieder für den zivilen Luftverkehr freigegeben, 1952 können die ersten Passagiermaschinen in Hannover landen.

Die Einwohnerzahlen erholen sich auch schnell wieder, waren es doch bei Kriegsende nur noch 217.000 (vergl. 1939 470.00), sind es 1954 schon mehr als 500.000. Wobei ein Viertel der Bevölkerung Flüchtlinge oder Vertriebene sind. 1961 gilt der Wiederaufbau der Stadt als abgeschlossen und 1963 gibt es auch wieder eine Synagoge für die jüdische Gemeinde der Stadt.
Ab 1965 können sich Studenten in der, mittlerweile, weltberühmten Medizinischen Hochschule (MHH) einschreiben. Ab 1975 fährt die erste U-Bahn der Stadt auf der Stecke Oberricklungen-Hauptbahnhof. Mit der Zeit folgen weitere Linien. Im Laufe der Zeit gemeindet Hannover immer mehr umliegende Gemeinde und auch Städte ein. 1986 wird die CeBit von der Industriemesse abgetrennt. Die CeBit ist die größte Messe auf der Welt für Informations- und Kommunikationstechnik und steht wie keine andere Messe für die Bedeutung Hannovers als Messegröße.
1991 feiert die Stadt ihr 750 jähriges bestehen. Und 2000 findet, zum ersten Mal in Deutschland überhaupt, die EXPO in Hannover statt. Zu diesem Zwecke war jahrelang die Infrastruktur der Stadt ausgebaut und erneuert worden.